Glaubt
bloß nicht, dass ich mir diesen Namen ausgesucht
hätte – bestimmt nicht !
Und
ich weise ausdrücklich darauf hin, dass jede
Übereinstimmung mit lebenden oder
bereits verstorbenen Individuen rein zufällig wäre,
aber die Dinge sind nun mal
wie sie sind, und so bin ich es eben :
der einzigartige, unverwechselbare
-
CHAPLIN !
Und
hätte mich ein überaus tierliebes Mädchen
namens Angie nicht an jenem
Nachmittag des 10.Mai im Jahre 2005 – mehr tot als lebendig
–
aus einem Gebüsch
heraus gezogen und spontan beschlossen, mich bei sich zu behalten und
mir über
den Berg zu helfen, dann hätte mein bis dahin recht leidvolles
Dasein wohl
bereits damals ein unschönes Ende gefunden.
So
aber sollte auch ich meine Chance bekommen !
Man
verwöhnte mich mit erlesenen Köstlichkeiten
– die Menschen begründeten dies mit
der Behauptung, man müsse mich schließlich erst
einmal richtig aufpäppeln.
Pah
! - im Grunde genommen lächerlich, aber warum sich gegen so
viel Glück wehren
?!
Ich
wurde also Tag für Tag ein kleines Stück
größer und kräftiger und genoss
unbeschwert, dass sich alle so rührend um mich
kümmerten. Ich hatte zum ersten
Mal das Gefühl, irgendwo hin zu gehören, wo man mich
wirklich mochte. Jeder,
dem ich mich näherte, nahm mich in den Arm und streichelte
mich, ich konnte
ausgelassen spielen und schlafen und bekam Futter, so viel ich nur
wollte. Einziges
Manko: in Folge meiner angeblich körperlichen wie geistigen
Unreife wurde ich
während der ersten Monate
Nach
anfänglichen Irritationen hinsichtlich meines
entwicklungstechnischen
Werdeganges -
Frauchen
wollte immer einen Schmusekater, während Herrchen, ein
über 2 Zentner schwerer
Ex-Boxer, kaum eine Gelegenheit ausließ, mir beizubringen,
wie man sich
erfolgreich mit allem und jedem fetzen kann (ich muss allerdings
zugeben, dass
ich mich dank dieses intensiven Trainings bereits im zarten Alter von
etwa 8
Monaten einmal erfolgreich gegen einen ausgewachsenen Dobermann zur
Wehr setzen
konnte) – beschloss ich, die Sache selbst in die Pfoten zu
nehmen. Ich wollte
vor allem sehen, was um mich herum passierte, wer um mich herum lebte,
wo und
wie andere Katzen wohnten und noch so vieles mehr
- also
zog ich immer häufiger aus, um zu erkunden, was diese Welt mir
eigentlich so
alles zu bieten hat.
juvenile
behavior
Mein
Instinkt verriet mir zielsicher, dass ein Kater nur ein richtiger Kater
sein
kann, wenn er auch ein eigenes Revier hat !
Ein rein formales, administratives Problem, wie ich
zunächst dachte, und
so deklarierte ich -
für den Anfang -
alles im Bereich von ca. 300m rund um meine Behausung zum
„Revier des Chaplin“ und
unterstrich meine intolerante Anspruchshaltung durch ausgelassene
Streifzüge
und ambitioniertes Markieren meiner selbsterklärten
Reviergrenzen.
Offenbar
beginnt jedoch alles Monumentale erst einmal ganz im Bescheidenen, denn
schon
bald musste ich zu meinem Leidwesen feststellen,
dass andere,
ausgewachsene
Kater in der Umgebung für sich ähnliche
Ansprüche erhoben und nach einigen
kräftigen Tracht Prügel
(Herrchen kommentierte meine
Blessuren immer enttäuscht
mit der Bemerkung: „schwache Deckung, viel zu schwache
Deckung“ , während
Frauchen mich immer gleich zum Tierarzt schleppte und darüber
hinaus der
Meinung war, meine Wunden wegstreicheln zu können),
beschloss
ich, meine
territorialen Ansprüche lieber – zumindest vorerst
– wieder auf den Bereich meines
Gartens einzuschränken.
Dort ließ ich zwar niemals irgendwelche Zweifel aufkommen, wessen die Macht war und verwies jedwege Eindringlinge, gleich welcher Spezies, Größe oder Geschlechtes, sehr zur Freude Herrchens immer triumphal in ihre Schranken, doch ich spürte, dass mein Leben eigentlich eine andere Bestimmung hatte, dass ich zu größerem, globalerem geboren war, schließlich bin ich … der CHAPLIN
Offenbar
war mir das Schicksal in Anbetracht meiner Visionen recht gewogen, denn
mit
weiterem Heranwachsen und dank des regelmäßigen,
intensiven Kampftrainings
konnte ich immer häufiger kleinere und
größere Scharmützel mit anderen Katern
erfolgreich für mich entscheiden, und je mehr meine
Widersacher einen Bogen um
mich machten, desto mehr spürte ich, dass ich meinem Ziel
näher und näher kam. Wie
sagte schon Nero: sollen sie mich ruhig hassen, Hauptsache sie
fürchten mich ! Zu
meinem Bedauern beschloss Herrchen eines Tages, das Training abrupt
einzustellen, als ich ihm während seines Studiums der
örtlichen Tageszeitung
meine kaum zu bändigende Kraft demonstrierte, indem ich ihm
von hinten auf den
entblößten Rücken sprang und mit
ausgefahrenen Krallen daran herunter rutschte
-
seine ungezügelt aggressive Reaktion machte
deutlich, dass ich dies
besser nicht wiederholen sollte, doch bevor er mich zu fassen bekam,
befand ich
mich dank meiner hervorragenden Reflexe und meiner behenden Beinarbeit
bereits
in sicherer Distanz. Von diesem Moment an wusste ich, dass auch er nun
Respekt
vor mir hatte, und ein irgendein Gefühl suggerierte mir, ich
sei reif für die
Machtübernahme, doch ich wusste, ich muss es geschickt und
überaus listig
anstellen. Von diesem Tag an mussten mir Marder, Eichhörnchen,
Wildhasen und
andere niedere Kreaturen als Sparringspartner dienen (einmal auch ein
Igel,
aber darauf will ich jetzt wirklich nicht näher eingehen !),
und ich kam Stück
für Stück in die körperliche Verfassung,
meinen Kreuzzug zur territorialen
Ausweitung meines Reviers in die Tat umzusetzen.
Apropos schlafen – ich muss zugeben, dass es mir durchaus missfiel (und immer noch missfällt), dass ich meine Nächte von Beginn an nicht bei den Menschen im Haus verbringen durfte – es hieß, ich müsse ein sog. „Draußen-Kater“ werden, weil ja tagsüber niemand da sei. Man räumte mir mittels einer Katzenklappe in der Kellertüre ein, bei allzu schlechtem Wetter oder großer Kälte in selbigem zu nächtigen, wo man mir auch ein Schlafkörbchen und eine Toilette zur Verfügung stellte, doch ich muss gestehen, dass ich hierauf nur in seltenen Ausnahmefällen zurück greife. Wer sich zu helfen weiß, findet draußen nämlich immer ein geschütztes Plätzchen, und so verstand ich schnell, aus meiner Not eine Tugend zu machen, indem ich mir in meinem Garten wie auch in der mittelbaren Nachbarschaft mehrere Trabanten-Domizile für alle möglichen Lagen des täglichen Lebens einrichtete.
... Fortsetzung folgt !